Suche:

Home  ...

Borderline Therapie

 

ANAD WOHNGRUPPEN:

THERAPIE DER BORDERLINE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG

 

 

„Jahre lang hielt ich mich für anormal, durchgedreht, nicht von dieser Welt. Nirgendwo passte ich rein, niemand schien mich zu verstehen, keiner dachte und tat dasselbe wie ich. Mit jedem Mal, bei dem ich mich selbst verletzte, ich den Kühlschrank und die Vorratskammer plünderte, hasste ich mich ein Stückchen mehr. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle, mein Körper fühlte sich an, als hätte er einen eigenen Willen. Ich wusste nicht wohin, wer ich war, was ich wollte.
Als ich zu ANAD kam, begann ich zu verstehen. Mit der Erkenntnis, dass ich durch das Schneiden meinen seelischen Schmerz auf meinen Körper übertrug und somit greifbar machte, dass ich durch Essanfälle die innere Leere, dieses Nichts in mir zu stopfen versuchte, war der erste Schritt auf einem neuen Weg getan. In der Fertigkeitengruppe traf ich auf Menschen, die sich ähnlich verhielten und mit denselben Gefühlen, Ängsten, Zweifeln und Gedanken kämpften.“

Julia, 21 Jahre

 

In den ANAD Wohngruppen gibt es ein eigenes Gruppenangebot für Patienten mit emotional instabiler Symptomatik (Borderline Störung). Es lehnt sich eng an die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) an. Diese Therapieform wurde von Marsha Linehan in den USA entwickelt. Behavioral heißt, dass die Therapie vor allem am Verhalten ansetzt. Dialektisch bedeutet die Balance zwischen Akzeptanz und Veränderungsstreben. Das heißt: Es ist neben allem Willen zur Veränderung auch wichtig, die aktuelle Situation akzeptieren zu können. Und zu lernen, dass es eben nicht nur schwarz oder weiß, alles oder nichts gibt, sondern schwarz und weiß, gut und böse, Licht und Schatten – und die Grauzonen dazwischen.

Das Fertigkeitentraining integriert die vier Themenblöcke Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation und zwischenmenschliche Beziehungen.

 

ANAD-Patientin Julia beschreibt sie folgendermaßen:
„Im Modul ‚Achtsamkeit’ versuchen wir, mehr Bewusstsein für unsere Gefühle im Alltag und die Kontrolle darüber zu bekommen. Wir wollen erkennen, warum wir so handeln, welche Situationen die Symptomatik auslösen, um selbstschädigende Handlungen vermeiden zu können. Wir lernen gleichermaßen auf Gefühle und Verstand zu hören.

Im Modul ‚Emotionsregulation’ werden wir uns der Wichtigkeit unserer Gefühle bewusst, sowohl der angenehmen als auch insbesondere der unangenehmen, denn jedes Gefühl hat eine Bedeutung. Indem wir Gefühle beobachten und beschreiben, lernen wir unsere eigene Gefühlswelt besser zu verstehen und emotionales Leiden loszulassen bzw. Schritte in Richtung angenehmer Gefühle zu tun.
Bei den ‚Zwischenmenschlichen Fähigkeiten’ erarbeiten wir förderliche Selbstaussagen. So bauen wir Selbstachtung auf und lernen, unsere eigenen Wünsche und Meinungen mitzuteilen, auch wenn die Umwelt diese nicht immer verstehen oder nachvollziehen kann.
Stresstoleranz’ ist für mich persönlich der wichtigste Punkt. Ich lerne Krisen auszuhalten, kann mich mit den Gruppenmitgliedern austauschen, wie sie in Hochstresssituationen wieder handlungsfähig werden. Jede von uns erstellt eine ‚Skillsbox’ in der sich Dinge befinden, die uns in Stresssituationen ablenken und so weit in der Anspannung herunter bringen, dass wir uns für den neuen Weg aus der Krankheit und gegen alte, destruktive Verhaltensmuster entscheiden können.“

 

So bekommen die Betroffenen eine Reihe von Fertigkeiten an die Hand, mit denen sie innere Anspannung oder schwierige zwischenmenschliche Situationen meistern können. Und sie finden Unterstützung dadurch, dass es den anderen Gruppenmitgliedern ähnlich geht.

 

Julia fasst ihre Erfahrungen zusammen:

„Durch die Gruppe habe ich gelernt, anders mit meinen Gefühlen, vor allem mit den unangenehmen, umzugehen und auch deren Ursprung zu ergründen, um mit konstruktivem Verhalten darauf reagieren zu können. So verlasse ich heute die unangenehme Situation und lenke mich durch Gedankenspiele ab (z.B. von 100 immer 7 rückwärts zählen),um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, der es mir ermöglicht meine Gedanken zu hinterfragen. Schon allein das Erlebnis, dass die Anspannung oft durch Ablenkung stark nachlässt, hilft mir ungemein, mich heute anders entscheiden zu können. In der Gruppe mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es allen Anwesenden ähnlich geht. Im Alltag fühlte ich mich anders, unverstanden – ‚anormal’. In der Gruppe fühle ich mich zum ersten Mal zugehörig und aufgefangen. Ich verstehe die anderen und sie verstehen mich.“

 

 

 

Zu den Seiten:

   

 

 

 

 

Diese Seite weiterempfehlen
Diese Seite drucken