Verhaltenstipps für Angehörige, Freunde, Lehrer
TIPPS FÜR ANGEHÖRIGE, FREUNDE, PARTNER:
WIE SOLL ICH MICH VERHALTEN?
Angehörige brauchen vor allen Dingen viel Geduld und sollten sich auf einen
langen Heilungsprozess einstellen. Einer Person mit einer Essstörung sollte man nicht alles abnehmen, denn das gibt ihr nur das Gefühl, ihr Leben nicht alleine meistern zu können.
Zudem muss die Privatsphäre der Betroffenen gewahrt bleiben. Eine Tochter oder ein Sohn im Teenageralter muss beispielsweise ihre/seine Geheimnisse haben können - Ausfragen oder Blättern im Tagebuch sind zwar in der Regel nicht böse gemeint, aber verletzen die persönlichen Grenzen der Tochter oder des Sohnes.
Wichtig ist auch, dass die eigenen Essens- und Einkaufsgewohnheiten nicht
umgestellt werden und die festen Mahlzeiten bleiben. Außerdem sollten die Betroffenen die Konsequenzen ihrer Essstörung selbst tragen und die Verantwortung dafür übernehmen, d.h. nach Essanfällen die fehlenden Vorräte ersetzen, die Toilette nach dem Erbrechen säubern und anderen Leuten selbst erklären, warum sie an einem gemeinsamen Essen nicht teilnehmen.
Wie wirkt sich eine Essstörung auf die Partnerschaft aus?
Am stärksten leiden natürlich die Betroffenen selbst, aber für die Menschen, die sie lieben, ist der Leidensdruck manchmal fast ebenso groß. Es ist nicht leicht, mit einem essgestörten Menschen zusammenzuleben. Frauen und Männer mit Essstörungen haben kein oder nur sehr wenig Selbstbewusstsein, und es ist schwer zu akzeptieren, dass man dem Partner bei seinem Problem kaum helfen kann.
Wie verhalte ich mich als Partner eines Menschen mit einer Essstörung richtig?
Die EssStörung und ihre Symptome nicht unterstützen, zum Beispiel, indem du für einen stets gut gefüllten Kühlschrank sorgst oder nach dem Erbrechen die Toilette putzt. Damit hilfst du deinem Partner nicht, im Gegenteil!
Wenn der Partner zuviel Verantwortung für die Erkrankung und deren Folgen übernimmt, ist man in Gefahr das Problem der EssStörung zu seinem eigenen zu machen, was den Betroffenen in der Regel nicht weiterhilft. Deshalb ist es in der Regel sinnvoll, sich als Paar oder Partner Unterstützung in einer Beratungsstelle zu holen, um sich über die Möglichkeiten aber auch Grenzen der Hilfe zu informieren.
Wie verhalten sich Eltern von Mädchen und Jungen mit Essstörungen am besten?
Eltern fühlen sich oft für die Essstörung ihres Kindes verantwortlich. Gerade
Mütter fürchten, schuld zu sein oder etwas falsch gemacht zu haben. Wichtig ist daher zunächst, die Essstörung der Tochter oder des Sohnes nicht als Schuldzuweisung sehen: Dass das Kind Probleme hat, bedeutet noch lange nicht, dass die Eltern versagt haben. Besser für alle Beteiligten ist, nicht in die
Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft - denn was war, kann
ohnehin nicht ungeschehen gemacht werden.
Was ist, wenn sich alles um die Essstörung dreht?
So paradox es klingen mag - manchmal ist wirklich der beste Rat, den man
dem Partner oder den Eltern Betroffener geben kann, egoistisch zu sein. In
Familien, in denen zum Beispiel eine Tochter oder Sohn essgestört ist, passiert es häufig, dass sich mit der Zeit alles um die Essstörung dreht. Andere vielleicht bestehende Probleme werden dadurch völlig in den Hintergrund gedrängt, so dass die Essstörung sogar die Funktion eines Stellvertreters bzw. "Ablenkers" übernehmen kann - etwa, wenn die Eltern selbst Eheprobleme haben, diese aber verdrängen, weil es in der Familie ja ein wichtigeres und dringenderes Problem zu lösen gilt.
Und wie kann ich meinem Kind helfen, sich von der Essstörung zu lösen?
Es mag hart für Angehörige sein, aber die Möglichkeiten, direkt etwas gegen
die Essstörung zu tun, sind sehr begrenzt. Das muss die oder der Betroffene
schon selbst übernehmen - am besten mit professioneller Hilfe. Und so grau-
sam es klingt: Manchmal ist ein gewisser Leidensdruck nötig, damit sich bei
den Betroffenen die Erkenntnis einstellt, etwas ändern zu müssen.
Das beste was sie tun können, ist dafür zu sorgen, dass bei ihnen zu Hause ein ehrlicher und offener Umgangston herrscht. Setzen Sie den Betroffenen nicht unter Druck, sondern zeigen Sie ihm, dass er Ihnen vertrauen und jederzeit mit Ihnen sprechen kann.
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