Ursachen einer Essstörung - Persönliche Situation
DIE PERSÖNLICHE SITUATION
Sind es immer die gleichen Charaktere, die in eine Essstörung rutschen?
Nein. Jeder Betroffene hat seine ganz eigene Geschichte und seine un-
verwechselbare Persönlichkeit. Allerdings gibt es bestimmte Charakteristika.
Viele sind schlanke, überdurchschnittlich attraktive junge Frauen oder Männer. Trotzdem bezeichnen sie sich selbst als zu dick. Diese negative und gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers ist Ausdruck von mangelndem Selbstbewusstsein.
Die Betroffenen glauben, nur aufgrund eines schönen Körpers für andere Menschen interessant zu sein. Es ist bezeichnend, dass viele Betroffene gar nicht auf die Idee kommen, sie könnten vielleicht aufgrund ganz anderer, innerer Werte geliebt werden - daher die panische Angst vor einer Gewichtszunahme auch bei sehr niedrigem Gewicht.
Kann ein mangelndes Selbstwertgefühl also die Ursache einer EssStörung sein?
Geringe Selbstachtung und ausgeprägte Minderwertigkeitsgefühle sind typisch für Personen mit Essstörungen. Die Betroffenen leiden unter vielfältigen Ängsten und haben Probleme damit, Stress und andere negative Emotionen auszuhalten. Wenn die innere Spannung unerträglich wird, ist oft ein Ess-Anfall das einzige Ventil, um sich Erleichterung zu verschaffen.
Essen ist somit ein Versuch, Ängste, depressive Stimmungen, Stress und andere negative Erlebnisse zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass Essstörungen häufig mit Depressionen gepaart sind. Die Ess-Anfälle sind wie ein Fluchtversuch aus einer düsteren, pessimistischen Grundstimmung, bringen aber natürlich nur eine ganz kurzfristige Erleichterung. Denn anschließend nehmen Schuldgefühle und Selbstvorwürfe überhand, die innere Leere wird noch größer, die eigene Hilflosigkeit als noch auswegloser erlebt. Bei Menschen, die so tief in diesem verzweifelten Teufelskreis stecken, besteht oft akute Selbstmordgefahr; zum Teil zeigen die betroffenen Menschen auch andere selbstzerstörerische Tendenzen.
Stimmt es, dass Menschen mit Essstörungen besonders perfektionistisch sind?
Ja, sie sind häufig perfektionistisch und extrem labil zugleich - und sie leiden unter dieser Zerrissenheit. Sie versuchen immer wieder, nach extrem strengen Essens-, Sport- oder Arbeitsplänen zu leben. Umso heftiger und erniedrigender wird das zwangsläufige Scheitern erlebt. Hat eine junge Frau/junger Mann sich zum Beispiel eine strenge Diät auferlegt und gibt irgendwann dem Impuls nach, eine Scheibe Brot mehr zu essen als erlaubt, dann schlägt die Selbstkontrolle oft in ein völliges Sich-gehen-lassen um, nach dem Motto: "Jetzt ist sowieso alles egal". Ein solcher Kontrollverlust wird als extrem beängstigend erlebt.
Können Essstörungen auch als Folge von sexuellem Missbrauch auftreten?
Ja, das ist bei einem Teil der Fall. Die seelischen Wunden, die ein solches Trauma hinterlässt, können sich typischerweise in Selbsthass und Selbstzweifeln äußern, insbesondere in einem Hass auf den eigenen Körper, den man als beschmutzt und schlecht empfindet. Betroffene leiden unter Depressionen und Minderwertigkeitsgefühlen - ein idealer Nährboden, auf dem sich eine Essstörung entwickeln kann.
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