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Ursachen einer Essstörung - Familiensituation

 

 

DIE BEDEUTUNG DER FAMILIENSITUATION

 

 

Welche Rolle spielen familiäre Umstände bzw. die Familienstruktur?

 

Wie bei anderen psychischen Krankheiten liegt bei Essstörungen die Vermu-
tung nahe, dass die Ursachen dafür auch in der Kindheit oder in bestimmten
Familienstrukturen
zu suchen sind. Wichtig ist, dass es in keinem Fall um Schuld geht: Die meisten Eltern erziehen ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen. Bestimmte Verhaltensmuster in der Familie können jedoch den Nährboden für die Entwicklung einer Essstörung bilden.

  

 

Wie sieht der "familiäre Nährboden" einer Essstörung aus?

 

Viele magersüchtige Patienten stammen aus Familien, die nach außen
intakt und harmonisch wirken. Oft sind die Eltern gut situiert und überdurch-
schnittlich gebildet. Es wird viel Wert auf Zusammenhalt gelegt, Konflikte und
unangenehme Gefühle wie Wut, Ärger, Neid und Eifersucht werden nicht gezeigt. Die Eltern sind teilweise überbehütend, was dem Kind die Abgrenzung und Ablösung erschweren kann. Nicht selten herrscht starker Leistungsdruck. Dieser wird teilweise auch gar nicht bewusst von den Eltern ausgeübt, aber die Kinder fühlen sich dennoch verpflichtet, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen.

  

 

Gilt das auch für Frauen und Männer mit Bulimie?

 

Nur zum Teil. In Familien mit bulimischen Mitgliedern finden sich häufiger heftige, offen ausgetragene Konflikte. Die Eltern, aber auch Eltern und Kinder streiten lautstark, teilweise werden Kontakte ganz abgebrochen. Häufig fehlt die liebevolle Zuneigung und Wärme in der Familie. Auch in diesen Familien herrscht teilweise eine starke Leistungsorientierung, und es wird Wert auf ein gutes Erscheinungsbild nach außen gelegt. Auch die Essstörung ist nach außen hin ja meist lange Zeit nicht sichtbar.

  

 

Eine hohe Norm- und Leistungsorientierung ist also typisch für Familien mit essgestörten Mitgliedern?

 

Ja. Menschen mit Essstörungen sind nicht selten regelrechte Musterkinder
gewesen, und auch im Erwachsenenalter wirken sie oft brav und angepasst.
Häufig sind sie in der Schule und später im Berufsleben dann tatsächlich auch
sehr erfolgreich - dafür ist die Seele auf der Strecke geblieben. Die hohen
Ansprüche
, die sie an sich selbst stellen, gelten natürlich auch für die äußere
Erscheinung. In der Regel sind sie gepflegte, gut gekleidete, attraktive Frauen bzw. Männer. Dennoch empfinden sie sich selbst nie als gut genug und sind extrem auf Bestätigung von außen angewiesen. Ein Erfolg ist erst dann etwas wert, wenn er von einer anderen Person anerkannt wird - so wie früher von den Eltern.

  

 

Spielt Essen denn eine besondere Rolle in diesen Familien?

 

Gewichtskontrolle und Diäthalten werden teilweise von figurbewussten Müttern an die Töchter weitergegeben. Gewicht, Figur und Essverhalten werden von anderen Familienmitgliedern kritisch begutachtet und kommentiert, was sich auf die Zufriedenheit der Mädchen und jungen Frauen mit ihrem Körper und damit auch auf das Selbstwertgefühl auswirkt.

 

  

Welche Verhaltensweisen sollten Eltern also meiden?

 

Schwierig wird es in folgenden Fällen: 

 

  • Nach dem Motto "Essen darf nicht weggeworfen werden" wird das Kind gezwungen, seinen Teller immer leer zu essen. So kann es nicht lernen selbst einzuschätzen, welche Menge es essen muss, um satt zu werden.
  • Es gibt Essen anstelle von Aufmerksamkeit. Wenn ein Kind oft mit Süßigkeiten ruhig gestellt wird, lernt es, dass man mit Essen Langeweile überbrücken und eigene Wünsche unterdrücken kann.
  • Süßigkeiten werden oft als Trost oder auch als Belohnung eingesetzt, z.B. bei guten Schulnoten. Auch der Erwachsene wird sich später durch Essen trösten oder belohnen.
  • Manche Eltern stecken den Kindern Süßigkeiten zu als Ersatz für Zärtlichkeiten, die sie nicht geben können. Auch der Erwachsene wird im Essen einen Ersatz für Liebe suchen.
  • Bei Bestrafung durch Essensentzug oder durch den Zwang, verhasste Speisen aufzuessen, lernt das Kind, dass Lebensmittel Macht über es ausüben können.
  • Diäthalten und Probleme rund ums Essen sind Gesprächsthema in der Familie, nach dem Motto: "Pass auf, dass du nicht zu dick wirst". Fallen häufig Sätze wie dieser, verbindet das Kind Essen mit Angstgefühlen. Es befürchtet, nicht mehr anerkannt zu sein, wenn es zu dick wird. Vor solch einem Hintergrund ist kein genussvolles Essen mehr möglich.

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