CARINA, DIE SAGT: "ANAD IST DAS BESTE,
WAS MIR PASSIEREN KONNTE."

Träume
Ich fühle mich in meinem Körper wohl, habe Spaß am Sport und denke überhaupt nicht mehr über mein Gewicht nach. Denn durch das Zusammenspiel von Ernährungsberatung, Bewegungstraining sowie Psychotherapie esse ich heute normale Portionen und nehme dadurch ohne Diät ab.
Carina 16, ist übergewichtig
,
Wie gefällt es dir in den ANAD Wohngruppen?
Mir gefällt es sehr gut. Wenn man Hilfe braucht, ist Hilfe da. Für mich ist es wichtig, dass ich hier nie alleine bin, denn das hält mich davon ab, einfach aus Langeweile zu essen. Die anderer Seite des WG Lebens ist natürlich, dass man nie allein ist, um mal seine Ruhe zu haben.
Wie sind für dich die Ausgangszeiten?
Unter der Woche habe ich bis 23 Uhr, dass passt für mich, da gehe ich eh nicht weg, weil ich so viel zu tun habe. Am Wochenende darf ich, wie es das Jugendschutzgesetz bestimmt, bis 0:30 Uhr weggehen. Das könnte manchmal schon länger sein.
Fangen wir mal von vorne an. Du hast Adipositas, wie kam es dazu?
So vor zehn Jahren ging es los. Also ich durfte kaum Süßigkeiten essen, aber wenn ich sie aß, dann hab ich sie in mich rein gefressen. Gute Laune war nur noch mit Essen verbunden. Der Tag bestand nur noch aus Essen. Essen war mein bester Freund. Essensmengen wurden nicht kontrolliert und Sport wurde mir nie vermittelt.
Hast du schon mal eine Diät ausprobiert?
Tausende! Aber ich hab sie nie durchhalten können und hatte danach noch mehr Kilos drauf, weil ich nach der Diät wieder mein altes Essverhalten reinrutschte und das Essverhalten war ja auch nicht normal und somit ging es wieder drauf.
Warst du schon mal in einer Klinik?
Zweimal. Im Vordergrund stand dort immer die Gewichtsabnahme. Es war sehr krass mit dem Sport und das Essen war sehr wenig. Zwar hat man dann schon abgenommen, ich hab einmal 6 Kilo und einmal 13 Kilo runter bekommen, aber es ging alles wieder drauf, weil ich zu Hause das Gewicht nicht halten kann. Die Klinik ist nicht die Realität.
Wie sah dein Tag zu Hause aus?
Das wichtigste am Tag war die Schule, und ich bin in der früh aufgestanden, frühstücken, dann Schule und dann heim. Ich hatte immer daheim im Kopf: Schule ist die einzige Bewegung, die ich am Tag machen muss, ansonsten brauche ich mich nicht bewegen. Dann gab es Mittagessen, dann habe ich in meinem Zimmer TV geschaut, hab mich verbarrikadiert, dann habe ich noch mal gegessen, dann Hausaufgaben gemacht, dann Internet, dann TV schauen. Dazwischen immer Essen und Essen. Ich wollte nie mehr Bewegung machen als zur Schule gehen, weil mir das schon anstrengend genug war.
Wie sieht ein Tag bei ANAD für dich aus?
Aufstehen, frühstücken, fertig machen, Schule, sehr lange Schule, dann Mittagessen in Ruhe und viel Zeit dafür lassen, dann Therapie (mit Sport), Abendessen, Hausaufgaben, TV schauen und dann schlafen.
Wie sieht nun die Ernährungstherapie bei ANAD konkret aus?
In der Ernährungsgruppe kann man seine Probleme ansprechen, wenn man sie nicht selber anspricht, dann sprechen dich manchmal die anderen Mitbewohnerinnen an. Man lernt, die Sachen anzusprechen.
Das begleitete Essen, das man anfangs hat, ist manchmal schwierig, da ich viele Sachen nicht gegessen habe, und ich nach dem Plan dies aber essen sollte.
Hat das im Nachhinein auch was Gutes?
Eigentlich möchte ich selbst entscheiden, was ich esse. Was trotzdem gut daran ist ist, dass ich dazu gebracht wurde andere Lebensmittel auszuprobieren, die ich nicht kannte und dann schmeckten mir einige.
Welche Themen interessieren dich in der Ernährungsgruppe?
Wie man sein Essverhalten bessern kann, und dass man das Ziel hat, nicht immer an Essen, Essen, Essen zu denken. Das ist das, was ich anstrebe. Und ich habe gelernt, dass ich auf gar keine Lebensmittel, also wie Süßigkeiten, Cola oder Torte verzichten muss, ich darf hier alles essen, aber eben in einem gewissen Umfang und zu bestimmten Zeiten. Dass ist schwer gewesen für mich am Anfang, eine Mahlzeitenstruktur einzuhalten.
Kannst du in deinen Alltag Bewegung integrieren?
Zur Schule gehen ist eine Bewegung. Einkaufen gehen, Müll wegbringen, ich muss ja hier bei ANAD alles selbständig machen, da bewege ich mich. Ich gehe die Treppen hoch und runter, statt den Lift zu nehmen, auch Rolltreppen gehe ich statt nur dazustehen. Aber das habe ich alles erst hier durch meinen Sporttherapeuten gelernt.
Machst du Sport?
Dreimal die Woche Sport mit dem Sporttherapeuten. Ansonsten mache ich Übungen, die ich in der Sporttherapie lerne.
Hast du nun nach drei Monten bei ANAD abgenommen?
Ja, ich habe schon gut abgenommen und das ganz ohne Diät, einfach durch geregelte Essenszeiten und Bewegung.
Bist du schon einmal wegen deinem Übergewicht gemobbt worden?
Ja, seit der Grundschule. Eigentlich schon seit dem Kindergarten, weil ich die Essstörung schon über 10 Jahre habe. Im Kindergarten wurde ich von den anderen Kindern schnell ausgegrenzt. In der Schule wurde ich jeden Tag beleidigt und auch manchmal zusammen geprügelt. Auf einer anderen Schule war es dann nicht mehr so schlimm. Ich werde jetzt auch noch ab und zu gemobbt, aber irgendwann kommt man zu einem Punkt, an dem man zu sich selbst steht.
Was gefällt dir an dir?
Meine fröhliche Art. Ich hab gelernt, fröhlich ins Leben zu blicken, auch wenn es viele schlechte Sachen gibt und auch wenn es mit meinem Übergewicht nicht so ist wie bei anderen Leuten, aber ich versuche positiv dabei zu sein. Ich bin auch offen und geh auch auf andere zu. Am Körper mag ich mein Gesicht gerne, meine Augen. Das ist was, das nicht so stark vom Übergewicht beeinflusst wird.
Welche Pläne hast du nach ANAD?
Ich möchte mein ganzes Leben ein normales Essverhalten haben und auch Spaß am Sport haben, weil, wenn ich wieder in meine alten Gewohnheiten zurückfalle, dann ist es kein normales Leben. Ich möchte langfristig ohne Ess-Probleme leben können. Ich möchte mich auf andere Dinge konzentrieren können als auf Essen. Nach ANAD möchte ich in München bleiben und nicht wieder nach Hause zurück.
Danke Carina für das Interview!
Dieses Gespräch mit Carina ist geführt worden, nachdem sie schon drei Monate intensive Therapie bei ANAD erlebt hatte.
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