Borderline Störung
WISSENSWERTES ÜBER DAS KRANKHEITSBILD:
BORDERLINE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG
Oft wird im Zusammenhang mit Essstörungen auch die Borderline-Symptomatik genannt. Weshalb?
Viele Menschen mit Essstörungen haben zusätzlich Symptome anderer psychischer Erkrankungen. Häufig sind dies Depressionen, Zwänge, Ängste oder auch bestimmte Persönlichkeitsstrukturen. Schätzungen zu Folge zeigt rund ein Drittel der von Essstörungen Betroffenen Anzeichen der so genannten „Borderline-Störung. Und von den Patienten mit Borderline-Symptomatik leiden wiederum mehr als 60% auch an einer Essstörung.
Die Borderline-Störung ist vor allem durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet und wird daher treffender als „emotional instabile Symptomatik bezeichnet.
Und wie zeigt sich diese emotional instabile Symptomatik?
Symptome können sich auf verschiedenen Ebenen finden: auf der Gefühlsebene, im Denken, im Verhalten und auf der körperlichen Ebene.
Menschen mit emotional instabiler Symptomatik werden häufig von ihren Gefühlen überflutet und erleben ein wahres „Gefühlschaos. Sie schwanken rasch zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, fühlen sich oft niedergeschlagen, hoffnungslos und ängstlich. Diese starken Gefühlsschwankungen sind das charakteristische Symptom –daher die Bezeichnung „emotional instabil.
Viele Betroffene haben jedoch Schwierigkeiten, die Gefühle wahrzunehmen und erleben nur eine starke innerliche Anspannung.Gefühle und Gedanken gehen gleichsam Hand in Hand: Schuldgefühle mit entsprechenden Vorwürfen und Hoffnungslosigkeit mit dem Gedanken, hilflos zu sein, versagt zu haben, nichts wert, nicht liebenswert zu sein. Viele dieser Menschen werten sich selbst extrem ab, lassen kein gutes Haar an sich. Und sie denken oftmals in Extremen: schwarz oder weiß, alles oder nichts. Entweder ich bin gut oder ich bin ein Versager.
Man kann sich leicht vorstellen, dass sich der oben beschriebene Gefühlsstrudel und die massive Selbstabwertung auch auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirken.
Viele Menschen mit emotional instabiler Symptomatik haben enge, aber konfliktreiche Beziehungen, sie versuchen, Freunde und Partner mit aller Kraft festzuhalten, um nicht verlassen zu werden und alleine zu sein. Gleichzeitig stellen sie ihre Mitmenschen auf die Probe, verlangen immer neue Beweise, dass sie den anderen auch wirklich wichtig sind. Denn sie selbst können sich meist wenig Selbstbestätigung geben.
Um Spannung zu reduzieren oder auch „um sich selbst zu spüren, schädigen und verletzen sich viele Betroffenen selbst, manchmal bis hin zum Suizidversuch. Zudem handeln sie oft impulsiv (z.B. Ess-Brech-Anfälle, impulsive Sexualität, riskantes Autofahren, Ladendiebstähle).
Menschen mit dieser Symptomatik stehen körperlich häufig unter Strom. Sie fühlen sich innerlich sehr angespannt, ohne die Erregung benennen zu können – z.B. als ein bestimmtes Gefühl. Viele leiden unter Schlafstörungen und Albträumen, können sich schlecht konzentrieren, fühlen sich leer und unwirklich, als gehörte ihr Körper gar nicht zu ihnen, als wäre er irgendwie dumpf und betäubt.
Wie entsteht die emotional instabile Symptomatik?
Die Entstehung ist komplex, man nimmt heute an, dass mehrere Ursachen und Auslöser zusammenwirken. Beteiligt sind unter anderem biologische Faktoren und Umwelteinflüsse.
Biologische Faktoren können genetische Einflüsse sein, aber auch Schädigungen der Entwicklung von Gehirn und Nervensystem in der frühen Kindheit, z.B. wenn die Mutter während der Schwangerschaft schwer erkrankte, viel Alkohol trank oder Drogen nahm.
Zudem spielen Umwelteinflüsse oft eine wichtige Rolle, vor allem eine wenig wertschätzende Umwelt, in der sich das Kind nicht ernst genommen und angenommen fühlt. Weitere traumatische Erfahrungen, wie körperliche oder seelische Gewalt, können hinzukommen. In dieser Umwelt wird das Kind nicht bestätigt in dem, was es denkt, fühlt und tut. Es kann nicht lernen, seine Gefühle richtig einzuschätzen und zu benennen und verliert so allmählich den Bezug zu seinem Innenleben.
So kommt es zu einer Störung der Gefühlssteuerung, dem Kern der emotional instabilen Symptomatik. Viele Betroffene reagieren sehr empfindlich, haben gleichsam sehr „feine Antennen, das heißt: Die innere Anspannung steigt in der Regel rascher als bei anderen Menschen und nimmt langsamer wieder ab. Dadurch kommt es zu einer fast permanenten inneren Anspannung, die sich dann häufig in impulsivem und selbstschädigendem Verhalten entlädt.
Das heißt, die Symptome hängen alle eng miteinander zusammen?
Ja, es bildet sich eine Art Teufelskreis, in dem ein Merkmal das andere bedingt: Durch die abwertende und entwertende Umwelt konnte kein stabiles Selbstbild entwickelt werden. Daraus folgt eine
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Unsicherheit in der Selbstwahrnehmung. Gefühle können nicht richtig wahrgenommen und differenziert werden. Es entstehen
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dauerhafte Anspannung und Gefühlschaos.
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Die Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle zu regulieren und die Angst, in aktuellen Beziehungen wieder abgewertet, missachtet und verlassen zu werden, führen zu
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Beziehungskonflikten und Beziehungschaos.
Diese Konflikte erhöhen die innere Anspannung weiter, und schließlich erscheinen
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selbstschädigendes und selbstverletzendes Verhalten als letzter Ausweg, die Spannung zu senken. Danach fühlen sich die Betroffenen oft schuldig, nichtsnutzig, schwach und schämen sich. Dies erschüttert wiederum die Selbstwahrnehmung und das Selbstwertgefühl – und so schließt sich der Teufelskreis.

Der Teufelskreis der emotional instabilen Symptomatik (vgl. Ingrid Sender (2000). Ratgeber Borderline-Syndrom. München: CIP-Medien, S. 35).
Wie kann man Menschen mit emotional instabiler Symptomatik helfen?
Bei ANAD gibt es ein spezielles Gruppentherapieprogramm für Betroffene mit emotional instabiler Symptomatik. Es ist angelehnt an die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die von Marsha Linehan in den USA entwickelt wurde, und wurde speziell für die Patienten bei ANAD weiterentwickelt und angepasst. Das Programm beinhaltet neben Informationen über die Symptomatik eine Art Hilfe zur Selbsthilfe: Strategien, die es den Betroffenen ermöglichen, ihre Symptome in den Griff zu bekommen. Es geht um Achtsamkeit (Wahrnehmung der eigenen Person und der Umgebung), Stresstoleranz, Gefühlssteuerung und um zwischenmenschliche Fähigkeiten.
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