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Tipps für Ärzte: Die Gesprächsführung

 

 

TIPPS FÜR ÄRZTE:

DIE GESPRÄCHSFÜHRUNG

 

 

 

Wenn ich als Arzt den Verdacht auf eine Essstörung habe: Was muss ich beim ersten Gespräch beachten?


Wichtig ist, zuzuhören ohne zu bewerten und eine vertrauensvolle Arzt-Patienten Beziehung aufzubauen. Denn so kann man dem Betroffenen signalisieren, dass man ihn ernst nimmt und die Essstörung nicht nur als Problem mit dem Essen versteht, sondern als Lösungsversuch für tiefer liegende Probleme. Hinter einer Essstörung steckt ein Bündel von Ursachen, der familiäre Kontext und Lernerfahrungen spielen ebenso eine Rolle wie soziokulturelle, individuelle und biologische Faktoren. Nicht wenige Mädchen und junge Frauen mit Essstörungen haben Grenzverletzungen oder sexuellen Missbrauch erlebt. Diesen Kontext muss ich als Arzt berücksichtigen, wenn ich die Betroffenen ernst nehmen und ihr Vertrauen gewinnen möchte.

 


Soll ich meinen Verdacht direkt ansprechen und auf Veränderungen drängen?

Zunächst einmal sollten Sie einfach dem Betroffenen signalisieren: Ich will dich unterstützen und mache mir Sorgen. Eine rasche und direkte Konfrontation kann zu einem Abbruch des Behandlungsverhältnisses führen. Essstörungen haben mit Ablösung, Abgrenzung und Macht zu tun. Druck auszuüben erzeugt daher in der Regel nur Abwehr bzw. Gegendruck. Scheint die Zeit noch nicht reif, kann der Arzt den Patienten zu nachfolgenden Kontrollterminen einbestellen, ohne ihm den eigenen Verdacht auf eine Essstörung sofort mitzuteilen. So kann im Laufe einiger Begegnungen eine vertrauensvolle Arzt-Patienten Beziehung aufgebaut und der Verdacht auf eine Essstörung dann direkt angesprochen werden. Gerade bei chronifizierten Essstörungen mit entsprechend hohem Leidensdruck empfinden es Betroffene häufig geradezu als Erleichterung, wenn der Arzt „endlich“ erkennt, „welches Geheimnis“ sich hinter den vorgebrachten körperlichen Beschwerden verbirgt.

 


Was ist im Umgang mit adipösen Patienten wichtig?

Adipöse Patienten stehen immer wieder Ärzten gegenüber, die eine gewisse Ablehnung gegenüber dieser Patientengruppe empfinden – unter dem Motto: „Die sind ja selbst schuld“. Bei der Behandlung psychoger adipöser Patienten ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese ebenso unter ihrem Essverhalten leiden wie anorektische oder bulimische Patienten. Die Betroffenen sind oft hochsensibel und leicht kränkbar, sie schämen sich und fühlen sich – häufig leider zu Recht –  in der Gesellschaft abgelehnt. Als Reaktion versuchen manche, ihren „Makel“ durch besonders freundliches, lustiges oder angepasstes Verhalten „auszugleichen“, was zu ärztlichen Fehleinschätzungen führen kann.

 


Worauf sollte ich im Gespräch noch achten?

Auf die Sprache! Patienten mit Essstörungen umschreiben ihre Symptome bisweilen aus Scham oder aber sie schildern sie sehr drastisch mit abwertendem Vokabular („Kotzen“, „Fressanfall“). Wichtig ist daher, als Arzt in jedem Fall auf eine sachliche und neutrale Sprache zu achten, um solche Tendenzen nicht zusätzlich zu verstärken. Viele Patienten externalisieren ihre Probleme und sprechen davon, dass „der Fressanfall sie überkommt“ oder „das Essen ohnehin wie von selbst wieder hochkommt“. Diese Abwehrstrategie zu thematisieren oder gar in Frage zu stellen, würde in ersten Beratungsgesprächen vermutlich zu starker Ablehnung von Seiten der Betroffenen führen.

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