Therapie bei Übergewicht und Adipositas
THERAPIE BEI
ÜBERGEWICHT UND ADIPOSITAS
Wann sollte man etwas gegen das Übergewicht unternehmen?
In der Regel ab einem BMI von 30 kg/m². Allerdings kann auch bei einem niedrigeren Gewicht eine Therapie sinnvoll sein, wenn körperliche Erkrankungen auftreten oder die oder der Betroffene sehr unter dem Gewicht leidet. Im Vordergrund sollte dabei nicht die rasche Gewichtsabnahme stehen, sondern die Verbesserung der Lebensqualität.
Als erster Schritt bietet sich ein Gespräch in einer Beratungsstelle an, mit Fachleuten, die sich mit Übergewicht auskennen.
Welche Gewichtsabnahme ist denn realistisch?
Die Erfahrung zeigt, dass eine Gewichtsabnahme von 5-10% ein realistisches Ziel ist. Auch wenn das Gewicht danach weiterhin im Übergewichtsbereich liegt, ist damit sehr viel gewonnen: Die Betroffenen fühlen sich besser und das Risiko für körperliche Erkrankungen sinkt deutlich.
Das Ziel einer Therapie ist eine langfristige Lebensumstellung hin zu einem gesünderen Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Nur damit kann dauerhaft eine Verbesserung erreicht werden, denn die Erfolge von Diäten sind meist recht kurzfristig.
Das heißt, es empfiehlt sich nicht, möglichst wenig zu essen?
Nein, denn dann drohen Heißhungeranfälle und der „Jojo-Effekt. Der Körper senkt seinen Energieverbrauch, um mit den wenigen Kalorien zu überleben. Isst man wieder normal, nimmt man um so schneller wieder zu – denn der Körper läuft zunächst weiter auf Sparflamme und braucht eine Weile, bis er sich wieder umstellt. (download Informationen zum Thema "Jojo-Effekt").
Wir vertreten bei ANAD das „Anti-Diät-Prinzip: Ziel ist, wieder nach Hunger und Sättigung zu essen und sich nichts zu verbieten. Das heißt, es dürfen auch Kuchen und Schokolade gegessen werden, natürlich in Maßen.
Aber kann man mit dem Anti-Diät-Prinzip denn abnehmen?
Ja, die Betroffenen nehmen ab, wenn sie sich ausgewogen ernähren und vor allem auch mehr bewegen. Zwar nicht so rasch wie bei einer 1200kcal-Diät, aber dafür kann das Gewicht dann in der Regel auch gehalten werden, der „Jojo-Effekt bleibt aus. Zudem wollen wir den Betroffenen vermitteln, dass Essen mit Genuss zu tun hat und Spaß machen kann.
Sie sprachen die Bewegung an – wie wird diese gefördert?
Wir bei ANAD haben – wie alle seriösen Einrichtungen auf diesem Gebiet – ein spezielles Bewegungsprogramm. Dieses muss mit einem Arzt abgesprochen und medizinisch begleitet werden. Geeignet sind zunächst gelenkschonende Ausdauersportarten, zum Beispiel Schwimmen oder Radfahren. Ganz wichtig ist auch die Bewegung im Alltag: Wir versuchen gemeinsam mit den Betroffenen den Aufzug durch Treppensteigen zu ersetzen oder kleine Fahrten mit dem Bus durch eine Strecke zu Fuß.
Ist ein Klinikaufenthalt sinnvoll?
Bei starkem Übergewicht kann ein Klinikaufenthalt ein guter Anfang sein, um das Bewegungs- und Ernährungsverhalten zu verändern. Allerdings sind die Betroffenen dort aus ihrem Alltag herausgerissen. Eine Art Zwischenlösung bieten die ANAD intensivtherapeutischen Wohngruppen. Dort wird ein intensives Therapieprogramm mit großer Alltagsnähe verbunden: Die Patienten leben weitgehend selbständig in Wohngruppen in der Münchner Innenstadt und gehen weiter in die Schule bzw. ihrem Beruf nach. So können Probleme, die im Alltag auftauchen, sofort besprochen werden. Die Wohngruppen sind offen für Jugendliche und junge Erwachsene mit psychisch bedingtem Übergewicht.
Und wie steht es mit operativen Methoden?
Diese werden in der Regel ab einem BMI von 40kg/m² empfohlen, also bei erheblicher Adipositas. Wichtig ist eine genaue medizinische und psychologische Abklärung. Gravierende Essanfälle können nach einer Magenverkleinerung beispielsweise sehr gefährlich sein – das muss im Vorfeld ausgeschlossen werden.
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