Häufig gestellte Fragen zum Thema Essstörungen
HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN - FAQs:
FRAGEN VON BETROFFENEN
Aufgrund vieler Fragen, die uns in Form von e-Mails und Briefen erreicht haben, hat ANAD e.V. eine Liste mit häufig gestellten Fragen und den dazu gehörenden Antworten rund um das Thema Essstörung zusammengestellt.
Wenn du weitere Fragen hast, die nicht in dem Fragenkatalog aufgeführt sind, kannst du natürlich weiterhin per e-mail (kontakt@anad.de) mit uns in Kontakt treten.
Was sind Essstörungen?
Essstörungen sind psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter. Die Ursachen von Essstörungen liegen im psychischen Bereich, wobei Betroffene über ihr Essverhalten und ihren Körper Lösungsstrategien suchen.
In Diagnosesystemen werden drei Formen von Essstörungen unterschieden: Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und so gennante atypische Essstörungen, bei denen nicht alle Merkmale der beiden gerade genannten Essstörungen erfüllt sind, die aber ebenso behandlungsbedürftig sind.
Früher war ich immer so schlank, aber seit einem Jahr nehm ich total zu. Ich bin 14 und wiege schon 58 kg, bei einer Größe von 1,65. Das ist doch viel zu viel!
Nein. Dein Gewicht ist völlig o.k. Es ist ganz normal, dass du schwerer wirst: du entwickelst und veränderst dich gerade. Bist du trotzdem unzufrieden mit dir? Dann sammel doch mal auf einen Zettel alles, was dich zur Zeit nervt. Vermutlich ist das alles der Grund dafür, dass es dir nicht gut geht. Verändere diese Dinge Schritt für Schritt. Wende dich an Leute, die dir dabei helfen können, je nachdem, ob es gerade um Schule, Eltern oder Freunde geht.
Ich möchte mindestens 10 kg abnehmen, aber alle Diäten, die ich ausprobiert habe, waren Fehlschläge. Was kann ich noch tun?
Du bist unzufrieden und möchtest etwas ändern. Damit gehörst du zur absoluten Mehrheit. Kaum jemand ist zufrieden mit seinem Aussehen. Überprüfe zunächst, ob du wirklich Übergewicht hast und deshalb deine Gesundheit in Gefahr ist. Wenn ja, solltest du auf jeden zu einem Arzt gehen und deine Ernährung umstellen. Wenn nein, dann steckt vielleicht etwas anderes hinter deinem Wunsch. Von weiteren Diäten solltest du unbedingt die Finger lassen! Sie können der Anfang einer Essstörung sein. Sprich mit einer Person deines Vertrauen über deine Empfindungen. Wenn du dich niemandem aus deinem Bekanntenkreis oder deiner Familie anvertrauen möchtest, dann könntest du auch bei einer Beratungsstelle, die sich mit Essstörungen auskennt, anrufen. Adressen findest du auf dieser Website.
Erfahren es meine Eltern, wenn ich bei einer Beratungsstelle war?
Nein. Die Mitarbeiter einer Beratungsstelle stehen genauso wie Ärzte unter Schweigepflicht. Die Beratung ist fast überall kostenlos und kann auch anonym geführt werden.
Ich esse dauernd, obwohl ich gar keinen Hunger habe - bin ich essgestört?
Möglich, dass das der Beginn einer Essstörung ist. Es hört sich so an, als wäre dein eigentlicher Hunger ein anderer. Nicht nach Essen, sondern vielleicht nach Liebe, Anerkennung, Leben? Du suchst etwas, das dich erfüllt. Finde heraus, wonach du hungerst und worum es dir eigentlich geht. Denn wenn du das weißt, kannst du Möglichkeiten finden, diesen Hunger zu stillen. Das ist alleine sehr schwierig. Hol dir Hilfe bei einer Beratungsstelle.
Gibt es Therapieangebote für Betroffene mit Kindern?
Ja, zum Beispiel in Mutter-Kind-Kliniken. Du kannst dich bei Beratungsstellen über das Therapieangebot für Betroffene mit Kindern informieren.
Was tue ich, wenn mir mehrere Therapien nicht geholfen haben?
In diesem Fall ist es wichtig, dass du dich an eine Beratungsstelle wendest und dich dort noch einmal beraten lässt. In einem Beratungsgespräch kann herausgefunden werden, warum dir die Therapien nicht viel weiter geholfen hat, was dir dennoch gut getan hat und was du noch an Unterstützung brauchst.
Woher bekomme ich Adressen von Therapieeinrichtungen und/oder Therapeuten und/oder Ärzten, die auf Essstörungen spezialisiert sind?
Bei einer Beratungsstelle, die auf Essstörungen spezialisiert ist, kannst Du Adressen von Therapieeinrichtungen, Psychotherapeuten oder Ärzten erhalten, die Erfahrungen mit Essstörungen haben. Adressen findest du zudem auf dieser Website!
Wer übernimmt die Therapiekosten?
In der Regel werden die Kosten für ambulante Psychotherapien von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es gibt aber immer wieder Ausnahmen. Deshalb informiere dich vorher bei deiner Krankenkasse über die Kostenübernahme einer Therapie.
Teilstationäre und stationäre Maßnahmen können mischfinanziert werden (z.B. Krankenkasse und Jugendamt). Informiere dich bitte in deinem individuellen Fall, wer für die Kostenübernahme einer Therapie zuständig ist.
Was sind die verschiedenenTherapiemethoden?
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Therapierichtungen:
Zum einen die verhaltenstherapeutische Richtung, zum anderen die tiefenpsychologische/analytische Richtung.
Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer Therapiemethoden wie zum Beispiel: Gestalttherapie, Tanztherapie, Körpertherapie, Familientherapie, Hypnose, Musiktherapie und Kunsttherapie u.s.w., die, wenn sie unabhängig von klassischen Therapien durchgeführt werden, nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.
Es ist jedoch durchaus denkbar, Elemente dieser Methoden in die Verhaltenstherapie oder auch in eine Psychoanalyse zu integrieren. Es gibt Therapeuten, die verschiedene Methoden kombinieren.
Die verhaltenstherapeutische Richtung beschäftigt sich in erster Linie mit dem aktuellen Verhalten des Betroffenen. Am Anfang der Therapie steht eine Diagnosephase, das heißt, Therapeut und Betroffener versuchen herauszufinden, in welchen Bereichen die größten Probleme liegen. Ein typisches kurzfristiges Ziel zu Beginn der Therapie ist zum Beispiel, die Zahl der Essanfälle zu reduzieren. Gemeinsam wird besprochen, wie zum Teil sehr festgefahrene Verhaltensmuster geändert werden können. Andere Probleme, wie mangelnde Selbstsicherheit oder die Scheu bei sozialen Kontakten, werden durch Gespräche und Übungen angegangen. Es können auch Angehörige zu den Gesprächen hinzugezogen werden, wenn es zu einer Besserung der Situation beitragen könnte. Mit Hilfe von Entspannungsübungen kann gelernt werden, Stress auf andere Weise als durch Essen oder Nicht-Essen abzubauen. Die Therapieforschung zeigt, dass verhaltenstherapeutische Methoden, die zusätzlich an den Denkmustern der Betroffenen ansetzen, sehr wirksam bei Essstörungen sind.
Die Psychoanalyse oder tiefenpsychologische Therapie ist meist sehr viel zeitaufwändiger als eine Verhaltenstherapie. Auch diese Therapieform orientiert sich am Verhalten. Darüber hinaus führt sie aber sehr weit und sehr ausführlich in die Kindheit zurück, in die Träume, ins Unbewusste. Dahinter steckt die Idee, quasi an die "Wurzel des Übels" zu gehen: Erst wenn unbewusste Blockaden und traumatische Erlebnisse hervorgeholt und bearbeitet werden, können sich auch die Probleme im Alltag auflösen. Eine klassische Psychoanalyse dauert sehr lange, etwa 300 bis 400 Stunden.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Essstörungen?
Es gibt ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten bei Essstörungen. Zum Beispiel Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken, ambulante Einzeltherapie, therapeutisch angeleitete Gruppen, Selbsthilfegruppen oder therapeutische Wohngemeinschaften. Es ist zu beachten, dass Therapeuten und psychosomatische Kliniken mit unterschiedlichen Therapiemethoden arbeiten. Es empfiehlt sich daher, sich bei einer Beratungsstelle über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und Therapiemethoden zu informieren.
Kann ich auch eine Therapie machen, ohne dass meine Eltern etwas davon erfahren?
Nach kassenrechtlichen Bestimmungen sind in der Regel Jugendliche ab Vollendung des 15. Lebensjahrs berechtigt, einen Antrag auf Psychotherapie zu stellen. Die Korrespondenz läuft aber über die Eltern, welche auch eine Therapie verhindern können. Ab dem 18. Lebensjahr läuft die Korrespondenz über die Jugendlichen. Die Eltern werden nicht benachrichtigt, auch wenn die Jugendlichen über die Eltern versichert sind.
Ich habe große Angst, dass meine Eltern oder andere Personen von meiner Essstörung erfahren. Wem kann ich mich anvertrauen?
Wenn es dir schwer fällt, dich deinen Eltern oder näher stehenden Personen anzuvertrauen, kannst du dich auch erst einmal an eine Beratungsstelle, die Erfahrungen mit Essstörungen hat, wenden. Der erste Kontakt ist auch anonym möglich.
Was soll ich tun, wenn körperliche Beschwerden im Zusammenhang mit meiner Essstörung auftreten?
Je nach Art der Essstörung können verschiedene körperliche Folgeerscheinungen auftreten. Es ist wichtig, die körperlichen Beschwerden nicht zu übergehen, sondern sich an einen Arzt zu wenden. Der Arzt sollte wissen, dass du an einer Essstörung leidest.
Beratungsstellen, die Erfahrungen mit Essstörungen haben, können in der Regel Empfehlungen für Ärzte geben, die mit dem Thema Essstörungen vertraut sind.
Kann ich ohne therapeutische Hilfe meine Essstörung überwinden?
Es gibt Menschen, die ohne therapeutische Hilfe den Weg aus einer Essstörung finden. In der Regel ist jedoch eine professionelle Unterstützung sinnvoll oder zumindest eine Selbsthilfegruppe. Am besten, du gehst zu einer Beratungsstelle und klärst diese Frage dort. Die Berater haben die entsprechende Erfahrung, um deine Situation realistisch einschätzen zu können.
Wie komme ich aus dem Teufelskreis einer Essstörung heraus?
Der erste Schritt aus der Essstörung ist, dass du dir selbst eingestehst, Probleme mit dem Essen zu haben und bereit bist, Hilfe anzunehmen. Wende dich an eine Vertrauensperson und spreche über dein Problem.
Du solltest dabei aber beachten, dass eine Vertrauensperson keinen Therapeuten ersetzen kann. Deshalb ist es wichtig, sich bei einer Beratungsstelle in deiner Nähe, die Erfahrungen mit Essstörungen hat, über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten und Therapiemethoden beraten zu lassen.
Habe ich eine Essstörung, wenn ich übergewichtig bin?
Es gibt verschiedene Ursachen für Übergewicht. Häufige Ursachen sind falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder körperliche Erkrankungen und/oder Medikamenteneinnahmen. Übergewicht kann aber auch psychische Ursachen haben, wenn Menschen über das übermäßige Essen versuchen, Probleme und Konflikte zu kompensieren. Typische Beispiele sind: Essen aus Langeweile oder Frustessen.
Ob das Übergewicht durch körperliche Ursachen bedingt ist, kann man bei einem Arzt abklären lassen. Wenn keine körperlichen Ursachen vorliegen, ist es hilfreich, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, die Erfahrungen mit Essstörungen hat.
Wann habe ich eine Essstörung?
Warnsignale sind, wenn sich alles nur noch um Essen, Figur und Gewicht dreht. Das Essen ist meist sehr konfliktbeladen, der normale Zugang zum Essen ist verloren gegangen, Hunger und Sättigung werden nicht mehr wahrgenommen. In der Regel fühlt sich der/die Betroffene in seinem Körper unwohl.
Diäten sind häufig der Einstieg in eine Essstörung. Bedürfnisse des Körpers werden übergangen und auch nicht mehr wahrgenommen. Das Hungergefühl wird als bedrohlich empfunden und muss unterdrückt und unter Kontrolle gehalten werden. Nahrungsmittel werden in "erlaubte" (z. B. kalorienarm) und "unerlaubte" (z. B. kalorienreich) unterteilt. Hobbies, Freunde, Familie werden unwichtig. Betroffene haben keinen Spaß mehr an Dingen, die ihnen sonst Spaß gemacht haben, und sie isolieren sich oftmals von der Umwelt.
Eine Essstörung sollte immer von einem Arzt oder einem professionellen Berater diagnostiziert werden.





